Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e. V.


Wir brauchen eine Klimafolgenökonomie!

 


  • Ob aus der globalen, der volkswirtschaftlichen oder der unternehmerischen Perspektive gesehen: Der Klimawandel ist ein Megathema für Ökonomen.
    Bei fundierten Studien zur langfristigen Klimadynamik, ihren Ursachen und Auswirkungen, sind in erster Linie Naturwissenschaftler gefragt. Die vorliegenden Sachstandsberichte des UN-Weltklimarates (IPCC) dominierten Nichtökonomen. Bei Fragen nach den Handlungsoptionen, mit denen dem Klimawandel zu begegnen ist, und wie Maßnahmen zu bewerten sind, spielt die Kosteneffizienz eine entscheidende Rolle. Hier sind Ökonomen gefordert.

 

  • Kosten und Nutzen von Klimastrategien dürfen nicht einseitig und isoliert betrachtet werden.
    Wegen der komplexen Zusammenhänge im globalen Klimageschehen kann die prognostizierte Erderwärmung nicht allein auf den Kohlendioxideintrag in die Atmosphäre zurückgeführt werden. Daher darf sich Klimapolitik nicht vorwiegend oder gar ausschließlich auf die Vermeidung von Treibhausgasen erstrecken. Eine bedeutende und womöglich weitaus kostengünstigere Alternative stellt die Strategie der Anpassung an den Klimawandel dar. Zwischen beiden Klimastrategien besteht ein wesentlicher Unterscheid darin, dass Vermeidungsmaßnahmen eine weltweite Koordinierung der tatsächlichen Klimapolitiken voraussetzen. Alle bisherigen Versuche sind gescheitert. Einseitige Vorleistungen in Europa können internationale klimapolitische Vereinbarungen eher unwahrscheinlicher machen. Es entstünden hohe Kosten aus der eigenen Klimapolitik, die durch fehlende oder eventuell gar nachlassende Anstrengungen anderer Staaten konterkariert werden könnten. So warnt der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesfinanzministerium davor, die Vorreiterrolle zu forcieren. Nicht weil er sich gegen internationale Klimaverhandlungen wendet, sondern weil er den Nutzen bedingungsloser Vorleistungen infrage stellt.

 

  • Die Anpassungsstrategie verdient weitaus mehr Beachtung.
    Anpassungsmaßnahmen begegnen nicht der Erderwärmung, sondern setzen auf die Reduzierung der Folgen des Klimawandels und folglich der damit einhergehenden Kosten. Zu solchen Maßnahmen gehören die Anpassung der Land- und Forstwirtschaft ebenso wie die Prävention vor vermehrten Stürmen durch bauliche Vorkehrungen. Länder wie Bangladesch werden bereits seit Jahrzehnten immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht. Eine groß angelegte Umsiedlung der Bevölkerung wäre eine Anpassungsmaßnahme, die sehr vielen Menschen das Leben retten würde. Anstatt auf solche Maßnahmen konzentriert sich z.B. Deutschland vorwiegend auf die Vermeidung von Treibhausgasen mittels alternativer Technologien. Dadurch werden Menschenleben allenfalls auf höchst indirekte Art und Weise gerettet. Doch die Rettung von Menschenleben – darum geht es doch letztlich bei der Bewältigung des Klimawandels und im Umgang mit dessen Folgen – muss in den Mittelpunkt gerückt werden.

 

  • Wir brauchen ein strategisches Zusammenspiel im Rahmen einer Klimafolgenökonomie.
    Weder Nichthandeln noch Aktionismus in Form eines einseitigen Vorpreschens einzelner Staaten bei der Senkung der Treibhausgasemissionen sind vernünftig. Letzteres ist umso mehr zu kritisieren, wenn sehr teure Klimaschutzmaßnahmen, wie etwa die Subventionierung von Photovoltaik durch das deutsche Erneuerbare Energiengesetz (EEG), ergriffen werden. Gleichwohl sollten wir angesichts der großen Unsicherheit über Ursachen und Folgen des Klimawandels die Treibhausgasemissionen senken, jedoch nur dann in einem substantiellen Maß, wenn die übrigen großen Industrie- und Schwellenländer ebenfalls große Anstrengungen unternehmen. Ist dies gewährleistet, ist die Kosteneffizienz das Primat eigenen Handelns: Mit jedem investierten Euro muss das Maximum an Schutz der Bevölkerung vor den Folgen des Klimawandels angestrebt werden.

 


 

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