Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e. V.


Pressemitteilung 20.05.2016

Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e.V.: Negativzinsen – Mehr Fluch denn Segen


Düsseldorf, 20.05.2016 – Durch die Senkung des EZB-Leitzinses auf 0% und die Erhöhung des Negativzinssatzes für Einlagen der Banken bei der Notenbank von 0,3 auf 0,4 Prozent wird die Lenkungsfunktion des Zinssatzes außer Kraft gesetzt. Der bdvb fordert die politisch Handelnden auf, sich auf europäischer Ebene für Strukturreformen einzusetzen, die zu einer Erhöhung der Investitionstätigkeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Infrastruktur führen.

Ein erhöhtes Wirtschaftswachstum in Verbindung mit einem moderaten Preisanstieg könnte eine Umkehr der derzeitigen EZB-Geldpolitik erleichtern, die der bdvb dringend für geboten hält. Derzeit geraten Sparer in einen Anlagenotstand, da sich traditionelle Anlageformen wie festverzinsliche Anleihen, Bausparen und Kapitallebensversicherungen kaum noch rentieren. Ökonomisch gesehen sind jedoch positive Realzinsen entscheidend. Hier verlief die Entwicklung in der Vergangenheit nicht so dramatisch wie bei den Nominalzinsen.

Nichtsdestotrotz fördert die unkonventionelle Notenbankpolitik Marktverzerrungen und das Entstehen von Blasen. Für die Volkswirtschaft entstehen systemische Risiken im Banken- und Versicherungssektor, deren Geschäftsmodell durch eine anhaltende Niedrigzinspolitik gefährdet wird. Viele Versicherungen und Pensionsfonds können den ihren Kunden zugesagten Garantiezins kaum mehr am Kapitalmarkt erwirtschaften. Der Bankensektor gerät gleichfalls unter Druck, da dieser den Großteil seiner operativen Erträge durch Zinsüberschüsse erzielt, die sich durch das derzeitige Zinsumfeld reduzieren.

Vorteile aus der Niedrigzinspolitik stellen sich für Staaten ein, die ihre Zinsausgaben reduzieren und ihre Verschuldung abbauen können. Der Reformdruck auf Staaten mit hoher Staatsverschuldung verringert sich jedoch und nötige Konsolidierungsschritte werden auf die lange Bank geschoben. Trotz der Ausweitung der EZB-Bilanzsumme verharrt die Kreditvergabe an Unternehmen im Euro-Raum seit der Finanzkrise 2008 auf niedrigem Niveau. Ein Anstieg der jährlichen Inflationsrate und der Inflationserwartungen in Richtung des von der EZB selbst gesetzten Zieles von "auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2%“ ist nicht erfolgt.

Die Erwartung an die EZB, mit ihrer die Kreditvergabe stimulierenden Geldpolitik auch das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone zu fördern, wurde nicht erfüllt. Die Grenzen der aktuellen Geldpolitik sind damit offen zu Tage getreten.


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